History sells? – Geschichte und Marke(ting)

22. bis 23. Oktober 2015

Historisches Rathaus, Münster

Wissenschaft und Marketing im Spannungsfeld zwischen Authentizität und Geschichtsboom

Noch nie zuvor hat Geschichte im Stadtmarketing eine solch bedeutende Rolle gespielt wie heute. Kaum eine Stadt, die nicht auf ihre Geschichte in der Eigendarstellung Bezug nimmt oder historische Ereignisse und Personen zur Vermarktung aufgreift. Wie vermarkten Städte ihre Geschichte „richtig“ und wie sehen neue Ansätze zum zukünftigen Umgang mit Stadtgeschichte aus?

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Über dieses Spannungsfeld zwischen historischem Stadtmarketing, Geschichtsboom, der Sehnsucht nach Authentizität und wissenschaftlich fundierter Geschichtsdarstellung diskutieren im Oktober 2015 erstmals gemeinsam Experten aus Wissenschaft und Marketing auf einem zweitägigen Kongress in Münster. Der interdisziplinäre Kongress richtet sich daher gleichermaßen an Wissenschaftler, insbesondere Historiker, aber auch an Stadtmarketing- und Touristikexperten, Soziologen, Stadtentwickler, Stadtplaner, Kommunikations- und Kulturwissenschaftler sowie Agenturen.

Veranstalter

Mit freundlicher Unterstützung der Sparkasse Münsterland Ost

Tagungsort

Tagungsort ist das Historische Rathaus mit seinem gotischen Giebel aus dem 14. Jahrhundert, das im Zentrum des Prinzipalmarktes im Herzen der münsterschen Altstadt liegt.

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Links neben dem Rathaus befindet sich das Stadtweinhaus mit seiner Renaissance-Fassade von 1615/16. Von der vorgesetzten Laube, dem Sentenzbogen, wurden Urteile und Bekanntmachungen verkündet. Münster hat sich in der Weltgeschichte als Stadt des Westfälischen Friedens einen Namen gemacht. Der im Rathaus befindliche Friedenssaal symbolisiert diesen Ort des Friedensschlusses. Fünf Jahre lang verhandelten die europäischen Mächte in Münster und Osnabrück, bis sie den Dreißigjährigen Krieg in Europa beenden konnten. Der 24. Oktober 1648 war der offizielle Tag des Friedensschlusses. Dieses große Ereignis wurde vom Sommer 1648 bis zum Frühjahr 1649 mit zahlreichen Staatsakten und Festveranstaltungen gefeiert – und bis heute ist Münster als Stadt des Westfälischen Friedens untrennbar mit diesem Ereignis verbunden.

Mit der jährlichen Veranstaltungsreihe "Münster 1648 – Dialoge zum Frieden" bezieht sich die Stadt Münster auf diese Verhandlungen. Dabei würdigt sie nicht nur das historische Ereignis und seine Wirkungsgeschichte. In diesem Kontext findet auch die erstmals durchgeführte Veranstaltung „History sells? – Geschichte und Marke(ting)“ im Rathaus des Westfälischen Friedens statt.

Tagungsort

Anschrift:
Historische Rathaus
Prinzipalmarkt 10
48143 Münster

Anreise

Egal ob mit dem Auto, der Bahn oder per Flug­zeug: Münster ist gut zu erreichen.

Übernachtung

Es steht ein limitiertes Hotelkontingent zur Verfügung.

Informationen

Informationen zur Stadt Münster finden Sie auf der Webseite von Münster Marketing.

„Wir alle suchen nach greifbaren Spuren einer Vergangenheit, von der wir uns unwiderstehlich angezogen fühlen, und wir versuchen sie mit Leben zu erfüllen.”

Fritz Stern

Referenten

Prof. Dr. Gerd Althoff
Vortrag: Geschichte im Superlativ. Zur langen Ahnenreihe des Stadtmarketings

Über den Vortrag

Die Aufbereitung geschichtlicher Geschehnisse zur Profilierung von Personen, Gruppen, Völkern, Institutionen und nicht zuletzt auch Städten hat eine lange Tradition. Alleinstellungsmerkmale, aufsehenerregende Ereignisse, berühmte Personen, kurz: Superlative beherrschen das Feld und erweisen sich als besonders geeignet, Interesse zu wecken und Identität zu stiften. Vor der Moderne war dieses Feld durchsetzt mit Fiktionen, die keiner kritischen Nachprüfung standhielten. Aber auch heute werden Schwächen eher verschwiegen, Glanz wird durch Polieren erst erzeugt. Dieser Vorgang soll an Beispielen aus zwei Jahrtausenden vorgestellt werden, ohne den Anspruch zu erheben, richtig und falsch bei der Aufbereitung der Geschichte immer säuberlich trennen zu können.

Zur Person

Der Seniorprofessor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Münster ist Vorstandsmitglied und früherer Sprecher des Exzellenzclusters „Religion und Politik“. Der Mediävist hat mehrere Monografien vorgelegt, zuletzt „Selig sind, die Verfolgung ausüben“ über Papsttum und Gewalt im Mittelalter sowie zur „Ironie im Mittelalter". Er hat die Wissenschaftskommunikation des Exzellenzclusters stark gefördert und engagiert sich im städtischen Arbeitskreis „1648 Dialoge zum Frieden“. Federführend war er an den Ausstellungen „Goldene Pracht. Mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen“ in Münster und „Spektakel der Macht“ in Magdeburg beteiligt.

Dr. Frank Britsche
Vortrag: Leipzig: Stadt der Friedlichen Revolution – zur Etablierung einer Marke

Über den Vortrag

Das Ende der DDR wird vielfach mit den Massen­demonstra­tionen des Jahres 1989 in Verbindung gebracht. Diese nahmen in der Messestadt Leipzig ihren augenscheinlichen Anfang – die Dynamik der Herbstereignisse von 1989 trug maßgeblich zum Fall des SED-Regimes bei. Diesen historisch bedeutenden Umstand würdigt die Stadt Leipzig in den letzten Jahren in herausgehobener Weise. Der Vortrag zeichnet Entwicklungs­linien nach, wie die „Marke“ der „Friedlichen Revolution“ in den vergangenen 25 Jahren in Leipzig konstruiert, öffentlich erinnert und marketingstrategisch inszeniert wurde. Dabei wird auch zu fragen sein, wie etabliert diese „Marke“ ist und welche Perspektiven sich ihrer weiteren Entwicklung bieten.

Zur Person

Der Historiker und Wissenschaftliche Mitarbeiter an der Lehreinheit Geschichtsdidaktik der Universität Leipzig konzipierte verschiedene historische Ausstellungen, unter anderem zur Friedlichen Revolution, befasste sich mit praktischen Konzepten der Geschichtsvermittlung im Stadtraum und hielt zahlreiche Vorträge zu den Themen Geschichts-, Jubiläums- und Gedenkkultur. Aktuell forscht, publiziert und lehrt er an der Universität Leipzig zur Zeitgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der transnationalen Perspektive.

Prof. Dr. Charlotte Bühl-Gramer
Vortrag: Nürnberg als "Stadt des Friedens und der Menschenrechte" - Transformationen von Stadtimage und lokaler Geschichtskultur

Über den Vortrag

Zwei historische Referenzepochen sind es, mit denen sich Vorstellungen einer überlokalen Symbolrolle Nürnbergs verknüpfen: Spätmittelalter bzw. Renaissance als Nürnbergs „große Zeit“ und die NS-Zeit mit den „Nürnberger Gesetzen“, Reichsparteitagen und den „Nürnberger Prozessen“. Die Analyse zeigt die Historizität von städtischen Imagekonstruktionen, die mit der Benennung Nürnbergs als „Stadt des Friedens und der Menschenrechte“ einen vorläufigen Endpunkt der geschichts­kulturellen Neukonstruktion erfahren hat. Die kritische Aufarbeitung der NS-Vergangenheit avancierte dabei auch zu einem touristischen Standortvorteil. Der Vortrag beleuchtet, wie, wann und warum durch die städtische Imagepolitik der Paradigmenwechsel vom Stigma zum Standortfaktor gelang.

Zur Person

Nach dem Studium der Fächer Geschichte, Deutsch und Italienisch in Erlangen-Nürnberg und Würzburg arbeitete sie ab 1995 als wissenschaftliche Assistentin an der Universität Bayreuth, wo sie 2002 zur Stadtentwicklung Nürnbergs im 19. Jahrhundert promoviert wurde und nachfolgend als Akademische Rätin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg tätig war. Hier wurde sie im Oktober 2010 auf den Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte Erlangen-Nürnberg berufen.

Karl Jasper
Vortrag: Stadtidentität als organisches Element der Stadtentwicklung

Über den Vortrag

Aktuell steht die bundesweite Stadtentwicklung vor widersprüchlichen Herausforderungen – einer Gleichzeitigkeit von Wachstum und Schrumpfung. Hier hohen Flächenbedarf befriedigen, dort Leerstand und Schrumpfungsprozesse in den Griff bekommen – beides bedarf eines orientierenden Maßstabs, um Fehlplanungen korrigieren und städtische Lebensqualität erhalten zu können. Als ein solcher Orientierungspunkt bietet sich an, was wir die Identität der Stadt nennen – abzulesen gerade an den historisch gewachsenen Kernen unserer Städte und Gemeinden: Sie sind Ausdruck eines über Generationen hinweg währenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Engagements der Stadtgesellschaft, ihrer kulturellen Vielfalt, ihrer Regeln, Ereignisse und Auseinandersetzungen.

Zur Person

Der studierte Jurist arbeitet bereits seit Anfang der 1990er Jahre verantwortlich zu den Themen Bauen, Wohnen und Stadtwentwicklung, u.a. im Rahmen der IBA Emscher Park, wo er die Gruppen für Städtebau sowie für Stadtentwicklung und Strukturpolitik leitet. Als stellvertretender Leiter der Abteilung Stadtentwicklung im neuen MBWSV NRW sitzt er der Fachkommission Städtebau der Länder-Bauministerkonferenz vor und ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung Industriedenkmalstiftung und Geschichtskultur.

Prof. Dr. Alfons Kenkmann
Vortrag: Auf der Suche nach Orientierung? Ein Blick auf den anhaltenden Geschichtsboom

Über den Vortrag

„Wozu noch Historie?“ Diese Frage, gestellt vor 45 Jahren auf einem wissenschaftlichen Kongress in Köln, wäre heute aus der Zeit gefallen. Zu deutlich haben wir es seit Jahren mit einem wahren Boom von Geschichte in der Öffentlichkeit zu tun: Er stellt die Schwärmerei für das Authentische neben die Erfahrung von Geschichte als Event und Erlebnis. Die neue Geschichtsbegeisterung begegnet uns in einer Fülle von geschichtspolitischen und -kulturellen Formaten: Jubiläen, Preisver­leihungen, Zeitzeugen­veranstaltungen, Museums­gründungen, Straßennamen­debatten, Spielfilme, Docutainments, Re-Enactments, Denkmal­kontroversen, Rekonstruktions­bauten usw. Müssen wir schon von einem „Zuviel an Geschichte“ sprechen, die uns der Gefahr der „Geschichtsmüdigkeit“ zuführt?

Zur Person

Sein Geschichtsstudium schloss er mit der Promotion zur Lebenswelt großstädtischer Jugendlicher der 1920er - 50er Jahre ab. In der Folge entwickelte er das wissenschaftliche und organisatorische Konzept für den heute international renommierten Geschichtsort Villa ten Hompel in Münster, als dessen Geschäftsführer er fungierte, bevor er 2003 den Ruf auf den Lehrstuhl für Geschichtsdidaktik an der Universität Leipzig erhielt. National wie international verantwortlich tätig - u.a. als Mitglied der deutsch-israelischen und der deutsch-tschechischen Schulbuch-Kommission - bleibt er Münster als Sprecher des Arbeitskreises "1648 - Dialoge zum Frieden" verbunden.

Prof. Dr. Gerd Althoff
Vortrag: Vom Heimatfest zum Stadtevent. Zur Veränderung der urbanen Festkultur in Berlin zwischen 1950 und 2000

Über den Vortrag

Im Berlin der Nachkriegszeit wurden Volksfeste initiiert, die sich auf „Heimat“ und „Tradition“ bezogen – in unterschiedlicher Konzeption, wie zwei Beispiele zeigen: der „Stralauer Fischzug“ in Ost-Berlin und das „Steglitzer Heimatfest“ im Westen. Nach beginnenden Veränderungen der Festkultur in den 1960er und 1970er Jahren markiert 1987 die 750-Jahr-Feier in Ost- und West-Berlin einen Wendepunkt der Festgestaltung - mit Auswirkung auf Berliner Stadt- und Volksfeste seit den 90er Jahren. Anhand der Beispiele wird deutlich, wie bei Stadtfesten auf historisch-volkskundliche Wissensbestände zurückgegriffen wurde, welche Absichten mit der Deutung von Tradition verbunden waren und wie sich Inszenierungstechniken und Wirkungsdimensionen analysieren lassen.

Zur Person

Das Studium der Europäischen Ethnologie, Französisch und Neuere deutsche Literatur in Berlin und Paris schloss die Promotionsstipendiatin des Evangelischen Studienwerks mit ihrer Promotion an der Humboldt-Universität zum Thema „Die Kunst gehört dem Volke? Volkskunst zwischen politischer Lenkung und ästhetischer Praxis“ ab. Zwischen 2009 und 2015 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Forschungsprojekt zur urbanen Festkultur, seit Mai 2015 bekleidet sie eine Gastdozentur am Institut für Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Viola van Melis
Workshop: Wissenschafts­kommunikation für Geistes­wissen­schaften – Wie der Exzellenzcluster „Religion und Politik“ Forschungsthemen in Münsters Stadtöffentlichkeit vermittelt

Über den Workshop

Wissenschaftler des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Universität Münster bringen regelmäßig ihre Expertise in Veranstaltungen und Debatten der Stadtgesellschaft ein. Das Zentrum für Wissenschaftskommunikation des Clusters fördert den Dialog der rund 200 Geistes- und Sozialwissenschaftler mit der Öffentlichkeit, neben der Medienarbeit organisiert und begleitet es Vortragsreihen, Podien, Ausstellungen, Film- und Konzertreihen, oft in Kooperation mit dem städtischen Wissenschaftsbüro. Der Workshop soll zeigen, wie die Partnerschaft zwischen Stadt und Wissenschaft gelingen kann, warum Geistes- und Sozialwissenschaftler Interesse an Forschungsvermittlung haben und wie Wissenschafts­kommunikation Forschung zugleich differenvziert und ansprechend aufbereiten kann.

Zur Person

Nach zehn Jahren als Fachjournalistin für Themen aus Politik, Religionen, Wissenschaft, Ethik und Soziales, darunter fünf Jahre als Leiterin der NRW-Landesredaktion der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Köln und Bonn, leitet sie seit 2009 das Zentrum für Wissenschaftskommunikation des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Universität Münster. Die studierte Historikerin moderiert Podien über politische und wissenschaftliche Themen und hält Vorträge und Workshops zur Wissenschaftskommunikation von Geistes- und Sozialwissenschaften.

Dr. Katrin Minner
Workshop: Geschichte im Stadtwerbefilm – Brückenbauer für Identität, Image und Markenbildung?

Über den Workshop

Stadt(werbe)filme sind - bereits seit den 1920er Jahren - aus der Selbstdarstellung von Kommunen nicht mehr wegzudenken. Mit der strategischen Konstruktion und Verbreitung von mentalen Bildern versuchen Städte, sich vorteilhaft in Szene zu setzen und für potentielle Zuzügler, Besucher und Firmen interessant und attraktiv zu bleiben. Das Hauptaugenmerk der filmischen Präsentationen liegt darauf, einen lebenswerten und zukunfts- trächtigen Standort mit günstigen Lebens-, Wohn- und Arbeits-/Wirtschaftsverhältnissen zu inszenieren. Die Filme arbeiten am Image der Orte und nehmen Aspekte der Identität auf. Geschichte kann dabei die Brücke zur städtischen Individualität und zum Kulturbewusstsein schlagen sowie einen Wiedererkennungseffekt bedienen.

Zur Person

Stadt(werbe)filme sind - bereits seit den 1920er Jahren - aus der Selbstdarstellung von Kommunen nicht mehr wegzudenken. Mit der strategischen Konstruktion und Verbreitung von mentalen Bildern versuchen Städte, sich vorteilhaft in Szene zu setzen und für potentielle Zuzügler, Besucher und Firmen interessant und attraktiv zu bleiben. Das Hauptaugenmerk der filmischen Präsentationen liegt darauf, einen lebenswerten und zukunftsträchtigen Standort mit günstigen Lebens-, Wohn- und Arbeits-/Wirtschaftsverhältnissen zu inszenieren. Die Filme arbeiten am Image der Orte und nehmen Aspekte der Identität auf. Geschichte kann dabei die Brücke zur städtischen Individualität und zum Kulturbewusstsein schlagen sowie einen Wiedererkennungseffekt bedienen.

Prof. Dr. Matthias Puhle
Workshop: Magdeburg – die Otto-Stadt

Über den Workshop

Seit 2010 gibt sich die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt den Beinamen „Ottostadt Magdeburg“. Die zugehörige Kampagne setzt bei zwei Persönlichkeiten an, die zu ganz unterschiedlichen Zeiten die Geschichte der Stadt erheblich beeinflusst haben: Kaiser Otto der Große (912–973), der im Magdeburger Dom begraben ist, und Otto von Guericke (1602 – 1686), der als Erfinder, Diplomat und Bürgermeister in Magdeburg gewirkt hat. Eine Untersuchung im Auftrag der Stadt hatte herausgefunden, dass dieser historische Rückbezug identitätsstiftender wirkt als alle anderen in Erwägung gezogenen Attribute. Es wird der Frage nachgegangen, welche besonderen Bedingungen dazu geführt haben, dass „Geschichte“ als Imageträger für Magdeburg so wichtig geworden ist.

Zur Person

Der promovierte Historiker leitete von 1991 an elf Jahre das Kulturhistorische Museum Magdeburg sowie das Museumsamt der Landeshauptstadt Magdeburg. Er wechselte dann als Abteilungsleiter Kultur in das Kultusministerium von Sachsen-Anhalt, bevor er zum November 2014 das Amt des Beigeordneten für Kultur, Schule und Sport der Stadt Magdeburg antrat. Seit 2004 versieht er außerdem eine Honorarprofessur für das Gebiet „Stadtgeschichte und Geschichtskultur“ an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Dr. Alexander Schubert
Vortrag: Das Mittelalter als Brand in der aktuellen Geschichtskultur

Über den Vortrag

Unter den großen kulturgeschichtlichen Ausstellungen, die alljährlich Hunderttausende in ihren Bann ziehen, zählen diejenigen mit Mittelalter-Thematik zu den erfolgreichsten. Ob Karolinger in Aachen, Ottonen in Magdeburg, Salier in Speyer, Staufer in Stuttgart oder Wittelsbacher in München und Mannheim: Allerorts versichert man sich mithilfe bedeutender Herrscherdynastien einer großen Vergangenheit – weit über die Museumsmauern hinaus. Mit Rahmenprogrammen vom Konzert bis zum Stadtfest, Touristik, Merchandising, kulinarischen Spezialitäten, TV-Produktionen und Buchvorstellungen dient die ‚Marke‘ Mittelalter nicht mehr ausschließlich der Geschichtsvermittlung und Identitätsstiftung, sondern schließt imagebildende Faktoren und merkantile Interessen ein.

Zur Person

Seit Juli 2014 Direktor des Historischen Museums der Pfalz in Speyer, hat der promovierte Historiker reichhaltige Erfahrung mit kulturhistorischen Ausstellungen - insbesondere zum Thema Mittelalter - gesammelt: An Museen in Bamberg, Magdeburg und Mannheim arbeitete er verantwortlich an Großprojekten, u.a. zur Europarats- und Landesausstellung Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation, die Ausstellung Alexander der Große sowie Die Staufer und Italien. Für Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen koordinierte er das Stauferjahr 2010, 2013 verantwortete er als Projektleiter Die Wittelsbacher am Rhein.

Jan Willem Sieburgh
Vortrag: Unlocking the potential of the (creative and) cultural industry

Über den Vortrag

Both the creative and the cultural industry are working at a sub-optimal level. Their potential is bigger and it is even bigger if they work together and in sync. Innovative and sometimes groundbreaking ideas can change perceptions and can create a much larger public engagement for cultural (and historical) institutions and sites. This is not (just) a theoretical presentation on the subject of marketing a museum (or historical site) but much more it is a talk introducing hands-on examples of successful and hopefully inspiring cases. If all works out the way it should this presentation will change your mindset and approach to the tasks ahead of you.

Zur Person

Before he joint the Rijksmuseum Amsterdam he spent 20 years in the advertising and marketing industry working in highly creative agencies and on large national and international accounts. During his years at the Rijksmuseum his creative background combined with his interest in culture and history proved to be a very productive mixture of skills resulting in innovative product and marketing concepts. In 2009 his peers in the marketing industry voted him Marketing Man of the Year. This was the first time someone from the cultural industry received this award.

Bernadette Spinnen
Vortrag: Christine zieht in die Hanse
Zum Verhältnis zwischen Stadtmarketing und Stadtgeschichte

Über den Vortrag

Städte erscheinen heute vielfach als ähnlich, was ihre ökonomischen, sozialen und kulturellen Angebote betrifft. In ihrer Geschichte hingegen unterscheiden sie sich signifikant. Aber diese Geschichte ist oft nur Historie – ohne Wirkung in die Gegenwart. Aufgabe eines nachhaltigen Stadtmarketings könnte es sein, die – womöglich erst auf den zweiten Blick sichtbaren – Stränge der Stadtgeschichte frei zu legen und für ein gegenwärtiges und authentisches Stadtimage zu nutzen. Warum Stadtgeschichte ein zentrales Thema des Stadtmarketings ist, welche Konflikte es bei der „Übersetzung“ der Geschichte gibt, wie sie trotzdem gelingen und wie die Kommunikation mit Stadthistorikern dabei helfen kann - mit diesen Fragestellungen befasst sich der Vortrag.

Zur Person

Bevor sie 2001 die Leitung von Münster Marketing übernahm, hat die studierte Germanistin und Theologin in elfjähriger Tätigkeit als Leiterin des städtischen Kulturamtes Akzente gesetzt, unter anderem durch innovative Förderkonzepte und die Entwicklung von Veranstaltungsformaten für den öffentlichen Raum. In ihrer heutigen Funktion verantwortete sie u.a. das Integrierte Stadtentwicklungs- und Stadtmarketingkonzept Münsters und entwickelte das Wissenschaftsbüro der Stadt. Seit 2012 ist sie stellvertretende Vorsitzende der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland.

Johannes Winkelmann
Workshop: Lutherstadt Wittenberg – Weltgeschichte erleben. Theater oder Musik oder Feste an den Originalschauplätzen der Reformation (Inszenierung der Orte vergangener Wirklichkeiten)

Über den Workshop

Alle waren hier: Martin Luther und Philipp Melanchthon mit anderen Reformatoren wie Bugenhagen oder Eber, die beiden Cranachs, Paul Gerhardt, Lessing und Novalis. Im 16. Jahrhundert trugen Wittenbergs Studenten die neuen Ideen weiter – von hier aus verbreitete sich die Reformation in alle Welt. Auch heute kommen jährlich Tausende von Besuchern, um die Originalschauplätze der Reformation kennenzulernen. Hier atmet man Geschichte: Auf knapp einem Kilometer kommt man an den wichtigsten Baudenkmalen und Orten vorbei, die durch Stadtführungen, Feste, Theaterstücke, bildende Kunst und Musik lebendig „inszeniert“ werden. Die anschauliche Vermittlung der Geschichte erreicht ein breites Publikum, von seriös bis populär – Weltgeschichte als Erlebnis.

Zur Person

Der Dipl.-Ingenieur wechselte nach der Wende in das Kulturamt der Lutherstadt Wittenberg, wo er u.a. das Stadtjubiläums-Projekt "700 Jahre Wittenberg" verantwortete und 1995 die Leitung des Kulturbüros übernahm. Zunächst als Geschäftsführer des Vereins "WittenbergKultur" tätig, erwarb er ein Diplom in Kulturmanagement und übernahm 2010 die Geschäftsführung der Lutherstadt Wittenberg Marketing GmbH mit den Geschäftsbereichen Tourismus, Stadtmarketing, Kulturmanagement.

Dr. Irmgard Zündorf
Vortrag: Public History - Die Wissenschaft auf dem Weg in die Öffentlichkeit. Wie weit sind wir bereit zu gehen?

Über den Vortrag

Geschichtsdarstellungen im öffentlichen Raum – außerhalb von Universitäten und Schulen – gibt es schon länger als den Begriff der Public History. Doch seit relativ kurzer Zeit hat die universitäre Wissenschaft diesen Bereich für sich entdeckt. In Seminaren oder gar eigenständigen Public History-Studiengängen werden geschichtskulturelle Angebote analysiert oder auch selbst entwickelt. Es stellen sich Fragen wie: Kann Wissenschaft seriöse Einsichten in Geschichte vermitteln – und zugleich unterhalten? Wie weit können geschichtswissenschaftliche Forschungsergebnisse in populäre Medien überführt, gekürzt, verändert und mit zusätzlichen Materialien versehen werden? Gibt es ethische Grenzen oder Minimalstandards der öffentlichen Geschichtsvermittlung?

Zur Person

Die Referentin für Wissenstransfer und Hochschulkooperation am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam ist zugleich Koordinatorin und Dozentin des Studiengangs Public History an der Freien Universität Berlin. Sie hat Sozial- und Wirtschaftsgeschichte in Bochum studiert und wurde in Potsdam promoviert. Public History Erfahrungen hat sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin u.a. am Haus der Geschichte in Bonn und am Militärhistorischen Museum in Dresden sowie als Redakteurin bei den Internet-Portalen H-Soz-Kult und Zeitgeschichte-online sammeln können.

Programm

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Moderation: Sven Felix Kellerhoff
lt. Redakteur Zeit- und Kulturgeschichte, Die WELT, WELT am Sonntag

10.30 11.00 Uhr

Get together

Foyer (Kaffee, Tee)

11.00 11.15 Uhr

Grußwort

Markus Lewe

Oberbürgermeister der Stadt Münster

11.15 12.00 Uhr

Auf der Suche nach Orientierung? Ein Blick auf den anhaltenden Geschichtsboom

Prof. Dr. Alfons Kenkmann

Professor für Geschichtsdidaktik, Universität Leipzig und Sprecher des Arbeitskreises „1648 – Dialoge zum Frieden“, Münster

12.00 12.30 Uhr

Christine zieht in die Hanse
Zum Verhältnis zwischen Stadtmarketing und Stadtgeschichte

Bernadette Spinnen

Leiterin Münster Marketing, Vorstand Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland (bcsd e.V.)

12.30 13.00 Uhr

Public History - Die Wissenschaft auf dem Weg in die Öffentlichkeit. Wie weit sind wir bereit zu gehen?

Dr. Irmgard Zündorf

Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam

13.00 14.00 Uhr

Mittagspause

Imbiss im Foyer

14.00 14.30 Uhr

Nürnberg als "Stadt des Friedens und der Menschenrechte" - Transformationen von Stadtimage und lokaler Geschichtskultur

Prof. Dr. Charlotte Bühl-Gramer

Professorin für Geschichtsdidaktik, Friederich-Alexander-Universität, Nürnberg-Erlangen

14.30 15.00 Uhr

Leipzig: Stadt der Friedlichen Revolution – zur Etablierung einer Marke

Dr. Frank Britsche

Historisches Seminar, Universität Leipzig

15.00 15.30 Uhr

Vom Heimatfest zum Stadtevent. Zur Veränderung der urbanen Festkultur in Berlin zwischen 1950 und 2000

Dr. Cornelia Kühn

Institut für Europäische Ethnologie, Humboldt-Universität Berlin

15.30 16.15 Uhr

Kaffeepause

16.15 17.00 Uhr

Das Mittelalter als Brand in der aktuellen Geschichtskultur

Dr. Alexander Schubert

Historisches Museum der Pfalz Speyer

ab 19.00 Uhr

Abendprogramm

Empfang in der Bürgerhalle des historischen Rathauses mit kleinem Imbiss und Getränken

20.00 21.00 Uhr

Führungen durch den Friedenssaal

Anschließend Möglichkeit zum Get together im Restaurant Stuhlmacher (Selbstzahler)

Freitag, 23.10.2015

Moderation: Sven Felix Kellerhoff
lt. Redakteur Zeit- und Kulturgeschichte, Die WELT, WELT am Sonntag

ab 8.30 Uhr

Get together

9.00 9.30 Uhr

Stadtidentität als organisches Element der Stadtentwicklung

Karl Jasper

Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr NRW

9.30 10.15 Uhr

Unlocking the potential of the (creative and) cultural industry

Jan Willem Sieburgh

ehem. Direktor Rijksmuseum Amsterdam

10.15 10.45 Uhr

WORKSHOP 1

Geschichte im Stadtwerbefilm – Brückenbauer für Identität, Image und Markenbildung?

Dr. Katrin Minner

Historisches Seminar, Neuere und Neueste Geschichte, Westfälische Wilhelms-Universität Münster


WORKSHOP 2

Wissenschaftskommunikation für Geisteswissenschaften – Wie der Exzellenzcluster „Religion und Politik“ Forschungsthemen in Münsters Stadtöffentlichkeit vermittelt

Viola van Melis

Leiterin Zentrum für Wissenschaftskommunikation, Exzellenzcluster „Religion und Politik“, Westfälische Wilhelms-Universität, Münster

10.50 11.20 Uhr

WORKSHOP 1

Magdeburg – die Otto-Stadt

Prof. Dr. Matthias Puhle

Dezernent für Kultur, Schule und Sport, Stadt Magdeburg


WORKSHOP 2

Lutherstadt Wittenberg – Weltgeschichte erleben. Theater oder Musik oder Feste an den Originalschauplätzen der Reformation (Inszenierung der Orte vergangener Wirklichkeiten)

Johannes Winkelmann

Geschäftsführer Lutherstadt Wittenberg Marketing GmbH

11.30 12.00 Uhr

Kaffeepause

12.00 12.45 Uhr

Geschichte im Superlativ. Zur langen Ahnenreihe des Stadtmarketings

Prof. Dr. Gerd Althoff

Exzellenzcluster „Religion und Politik“, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

12.45 13.00 Uhr

Verabschiedung und Ausblick

Prof. Dr. Alfons Kenkmann
Bernadette Spinnen

Konzeption: Prof. Dr. Alfons Kenkmann und Bernadette Spinnen, Gerold Leppa, Jürgen Block (bcsd e.V.)

Kontakt

Ansprechpartner ist das Kongressbüro von Münster Marketing.

Münster Marketing

Kongressbüro
Kathrin Freund
Klemensstraße 10
48143 Münster

Telefon:
+49 (0) 251 492-2741
Fax:
+ 49 (0) 251 492-7759
E-Mail:
kongress@stadt-muenster.de
Web:
www.kongresse-muenster.de

Anmeldung

Hinweis: Die Teilnahmegebühr beinhaltet Kaffee- und Mittagspausen sowie den Abendempfang in der Bürgerhalle. Für Studierende steht ein begrenztes Kontingent an ermäßigten Karten zur Verfügung.

*Bei diesen Feldern handelt es sich um Pflichtangaben.